12 skurrile Dinge, die unsere Vorfahren für normal hielten.

Jede Zeit und Kultur hat ihre eigenen Rituale und Bräuche. Doch wenn du denkst, Menschen seien früher weniger exzentrisch gewesen als heute, dann liegst du falsch. Bereits unseren Vorfahren hat man den ein oder anderen Floh ins Ohr gesetzt.

Einige dieser „Flöhe“ waren für ihre Anwender harmlos, bei den meisten hieß es allerdings, dass Vorsicht geboten ist. Aber wie auch immer: Heute sind sie für die meisten von uns schlicht unvorstellbar.

Wir zeigen dir 12 Beispiele dafür, welch skurrile Dinge man in früheren Jahrhunderten für normal hielt.

1.) Chopinen

Chopinen sind historische Damenschuhe mit einer hohen Plateausohle, die vom 15. bis ins 17. Jahrhundert vor allem in Spanien und Italien getragen wurden und die jeden noch so klobigen Buffalo aus den 1990ern in den Schatten stellen. In Spanien betrug ihre Höhe rund 10 cm und sie bestanden aus Kork, das mit sehr weichem Ziegenleder überzogen wurde. In Italien waren sie besonders in Venedig bekannt und ihre Sohlen waren sagenhafte 25 bis 74 Zentimeter hoch. Um überhaupt auf ihnen laufen zu können, mussten die Trägerinnen von Bediensteten gestützt werden. Der Schaft und die sichtbaren Außenbereiche wurden häufig mit Brokat oder Samt verziert. Die hohen Schuhe waren vorrangig dafür da, ihre Trägerinnen vor Schmutz und Straßenmatsch zu schützen, dienten aber auch dazu, sie größer und schlanker wirken zu lassen.

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2. ) Menschliche Wecker

Sogenannte „Aufwecker“ existierten von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre. Ihr Job war es, die Fabrikarbeiter aufzuwecken, deren Tag stets sehr früh begann. Dazu nutzten sie Stöcke, um an die Fenster zu klopfen, oder dünne Blasrohre, mit denen sie Erbsen gegen die Fensterscheiben schossen. Es ist unklar, wer die Aufwecker selbst weckte, aber es gibt die Theorie, dass diese bis in die Morgenstunden wach blieben und erst nach verrichteter Arbeit schlafen gingen.

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3.) Jungskleider

Vom 16. Jahrhundert bis etwa um 1920 war es üblich, dass Jungs bis zu einem gewissen Alter auch Kleider trugen. Ein Hauptgrund dafür waren sicherlich die hohen Kosten für Kleidung. Das Nähen von Kleidern war einfacher und die Kinder konnten besser in sie hineinwachsen. So brauchte man seinem Kind nicht alle paar Monate neue Hosen zu kaufen, weil die alten nicht mehr passten. Diese Tradition machte auch vor adligen Familien nicht halt. Alexei, der Sohn des russischen Kaisers Nikolaus II. (ganz rechts im Bild), trug ein Kleid, das dem seiner Schwestern ähnelte.

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4.) Schlechte Hygiene

Der Begriff „Reinheit“ war im Mittelalter vorwiegend religiös konnotiert. Die Menschen glaubten damals, dass Wasser Krankheiten verbreite und Läuse die „Perlen Gottes“ seien. Selbst der Adel war davon überzeugt. Isabella I. von Kastilien war stolz darauf, dass sie in ihrem Leben nur zwei Mal mit Wasser in Berührung kam – nach der Geburt und vor ihrer Hochzeit. Die Adligen brüsteten sich damit, durch ausgiebiges Pudern und Parfümieren auf das potenziell gefährliche Waschen verzichten zu können.

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5.) Einläufe aus Tabakrauch

Im 18. Jahrhundert ging man davon aus, Krankheiten mit Einläufen aus Tabakrauch heilen zu können. Nachdem der afrikanische Kontinent entdeckt worden war und Tabak und Tabakpflanzen in Europa Bekanntheit erlangt hatten, wurden sie gegen eine ganze Reihe von Beschwerden eingesetzt – wie z.B. Kopfschmerzen, Magenkrämpfe oder auch Bewusstlosigkeit. Aber auch bei Ertrinkenden wurde diese Methode häufig angewendet. Sie geriet im 19. Jahrhundert zum Glück wieder in Vergessenheit.

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6.) Gladiatorenblut gegen Epilepsie

Opferblut galt damals in nahezu allen Kulturen als geweihte Substanz und wurde deshalb auch als Zaubermittel verwendet. Im alten Rom glaubte man, dass das Trinken des Blutes erschlagener Gladiatoren ein Heilmittel gegen Epilepsie – eine im Altertum vielfach unverstandene, „dämonische“ und vor allem nicht therapierbare Krankheit – sei. Patienten mit Epilepsie gab derlei Magie natürlich Hoffnung. Nach dem Verbot der Gladiatorenkämpfe um 400 n. Chr. trat das Blut zum Tode Verurteilter, häufig Geköpfter, die Nachfolge als Wundermittel an und konnte sogar bis ins angehende 20. Jahrhundert als vermeintliche Heilmethode nachgewiesen werden. 

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7.) Heroin als Hustenmedizin

Überraschenderweise galt Heroin vor rund 100 Jahren als harmlose Alternative zu Morphin und wurde in Apotheken als Mittel gegen Husten verkauft. Es wurde aufgrund seiner geringeren Nebenwirkungen sogar bei Kindern angewendet. In den 1920ern stellte man dann jedoch fest, dass Heroin in der Leber zu Morphin umgewandelt wird, und verbot es. In Deutschland geschah dies erst im Jahre 1971. Auch der Vorläufer von Chrystal Meth war in den 1940er Jahren in Deutschland in Apotheken frei erhältlich.

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8.) Rauchen in Flugzeugen

Keine 60 Jahre ist es her, dass Rauchen an Bord von Flugzeugen gang und gäbe war. Das Rauchen galt damals noch nicht als schlechte Angewohnheit und die Menschen wollten sich das Vergnügen auch beim Fliegen nicht nehmen lassen. Man nahm dabei auch keine Rücksicht auf andere Passagiere oder die Flugbegleiterinnen. Heutzutage ist Rauchen in Flugzeugen verboten, auch wenn in einigen Ländern, wie dem Iran, dieses Verbot nicht umgesetzt wurde.

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9.) Badekarren

Im Gegensatz zu heute war es den Menschen im 18. und 19. Jahrhundert nicht gestattet, einfach so am Strand ins Wasser zu gehen. Sie mussten dafür spezielle Badekarren benutzen, die wie kleine Strandhäuschen aussahen. Die Karren wurden ins Wasser gefahren und die Badenden, meist in Ganzkörperanzügen, konnten, ohne beobachtet zu werden, ins Wasser gleiten und schwimmen. Die Badekarren der Frauen wurden dabei in gebührendem Abstand zu denen der Männer aufgestellt.

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10.) Steine als Toilettenpapier

Not macht bekanntlich erfinderisch. Denn die Liste der Dinge, die Menschen benutzten, bevor es Toilettenpapier gab, ist lang. Sie umfasst Blätter von Pflanzen, Maiskolben, Kokonussschalen, Schafwolle, Stoffe (für diejenigen, die es sich leisten konnten), Schwämme an einem Stock oder auch nur Wasser. Doch die alten Griechen überraschten am meisten, denn sie benutzten offenbar Kieselsteine oder Keramikscherben als Toilettenpapier.

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11.) Zweiteiliger Schlaf

Europäer im Mittelalter praktizierten das, was wir heute als mehrphasigen Schlaf bezeichnen. Sie schliefen von Sonnenuntergang bis ungefähr Mitternacht und blieben dann für etwa 2-3 Stunden wach. Einige nutzten diese Zeit zum Beten oder Lesen, andere verbrachten sie mit der Familie oder den Nachbarn. Danach legten sie sich wieder hin und schliefen bis zum Morgengrauen.

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12.) Gin als Heilmittel

Der ursprüngliche Verwendungszweck von Gin war ein rein medizinischer. Man dachte im 18. Jahrhundert, dass er ein Heilmittel gegen Gicht und Verdauungsstörungen sei. Doch tatsächlich war er genau das Gegenteil. Mit einem Alkoholgehalt von 80 % und dem Hinzufügen von Terpentin und Schwefelsäure war er im Grunde genommen ein organzerstörender Todessaft. Daran konnte auch der hinzugefügte Zucker, der den Geschmack überlagern sollte, nichts ändern.

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Vieles von dem, was für unsere Vorfahren noch selbstverständlich war, ist mittlerweile aus unserem Alltag verschwunden. Und man muss sagen: zum Glück! Bei einigen der Methoden kann man wirklich nur den Kopf schütteln und froh sein, dass man in einer fortschrittlicheren Zeit geboren wurde.

Quelle:

Brightside

Buzzfeed

 

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