Objektophil: 7 Leute, die mit leblosen Gegenständen verheiratet sind.

Als objektophil bezeichnet man Personen, die sich emotional oder körperlich zu leblosen Gegenständen hingezogen fühlen. Die Objektophilen bestehen darauf, dass es sich dabei nicht um einen Fetisch handelt, sondern um eine eigenständige sexuelle Orientierung.

Die Sexualforscherin Amy Marsh kam in ihrer Studie über Objektophilie, die die weltweit erste zu diesem Thema war, ebenfalls zu diesem Schluss. Gleichzeitig war aber auffällig, dass rund die Hälfte der von ihr befragten Objektophilen, die an der Studie teilnahmen, eine Form von Autismus aufwiesen.

Wie weit die Liebe mancher Objektophilen geht, zeigt sich daran, dass sie das entsprechende Objekt ihrer Begierde heiraten. Im Folgenden findest du 7 Beispiele von Menschen, die eine (inoffizielle) Ehe mit Gegenständen eingegangen sind. Manche dieser Gegenstände sind sogar weltberühmt.

Loren kiss her red car

1.) Davecat und seine Puppe

Angeblich war es Liebe auf den ersten Blick, als Davecat – wie er sich selbst nennt – seine heutige Ehefrau Sidore Kuroneko im Jahr 2000 in einer Disco sah.

Da Sidore aber eine sogenannte Realdoll ist, also eine dieser möglichst lebensechten und detailgetreuen Sexpuppen, wie sie auch in dem Film „Lars und die Frauen“ mit Ryan Gosling zu sehen sind, ist es wahrscheinlicher, dass Davecat sie für umgerechnet ca. 6.000 Euro online bestellt hat.

Offiziell sind die beiden gar nicht verheiratet, was Davecat aber nicht daran hindert, mit seiner Angebeteten wie im Eheverhältnis zu leben. Er will damit ein Zeichen für die Ehe zwischen Mensch und Puppe setzen. Auch stört ihn die Vielweiberei nicht, denn neben Sidore hat er noch eine Mätresse, ebenfalls eine Realdoll.

2.) David Sikorski und sein Burrito

Liebe geht durch den Magen: Als der in San Francisco lebende Autor David Sikorski mit Ende zwanzig feststellen musste, dass immer mehr seiner Freunde sesshaft wurden und eine Familie gründeten, wollte auch er endlich den Bund fürs Leben schließen und verlobte sich 2015 schließlich mit einem ganz heißen Teil: einem Burrito.

Von einer professionellen Fotografin ließ er sogar Verlobungsfotos mit sich und seinem Burrito machen, was ihm einige mediale Aufmerksamkeit bescherte. Allerdings stellt sich die Frage, ob Sikorski tatsächlich verliebt war oder alles nur Selbstinszenierung war, denn nach dem Fotoshooting aß er seine zukünftige Braut einfach auf.

 
 
 
 
 
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3.) Pascale Sellick und ihre Decke

Was gibt es Schöneres, als sich frühmorgens nochmal umzudrehen und sich fest in seine Decke zu kuscheln, bevor man aufstehen muss? Vermutlich fühlt man sich in ihr geborgener als in den Armen eines großen, starken Mannes.

Das hat sich die Engländerin Pascale Sellick vermutlich auch gedacht, weswegen sie ihre Decke am 10. Februar 2019 in einer öffentlichen Zeremonie heiratete: „Meine Bettdecke ist die längste, stärkste, intimste und zuverlässigste Beziehung, die ich jemals hatte. Das liegt daran, dass sie immer für mich da war und mich behütet.“

Ihre zweiwöchigen Flitterwochen will das glückliche Paar – kein Scherz! – in der Bettenabteilung von IKEA verbringen. Hoffentlich geht Pascale dort nicht fremd. Aber ein wenig erinnert das ganze an Linus von den Peanuts und seine Schmusedecke.

 
 
 
 
 
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4.) Aaron Chervenak und sein Smartphone

In dem Film „Her“ verliebt sich Joaquin Phoenix in sein Smartphone mit der Stimme von Scarlett Johansson. Und auch in unserem Alltag sind viele Menschen ungesund auf ihr Handy fixiert. Oft ist es das Letzte und das Erste, was vor dem Einschlafen und nach dem Aufstehen angesehen und berührt wird.

„Wenn wir ehrlich sind, sind wir auf so vielen Ebenen emotional mit unseren Handys verbunden“, sagt dementsprechend Aaron Chervenak, der keinen Hehl aus der Beziehung zwischen Mensch und Mobiltelefon macht und sein Smartphone im Mai 2016 in Las Vegas geheiratet hat.

„Wir nutzen es, um uns zu trösten, zu beruhigen, besser einzuschlafen, das Gewissen zu erleichtern – darum geht es doch in einer Beziehung“, meint Chervenak. Doch wenn die Ehe scheitert, dann heißt es wohl: „Siri, such mir einen Scheidungsanwalt.“

5.) Akihiko Kondo und sein Hologramm

In Japan können Manga- und Anime-Charaktere zu Popstars werden. Mit ihren computergenerierten Stimmen werden unzählige Charterfolge produziert, bei Konzerten werden sie als Hologramme auf die Bühne projiziert.

Einen dieser virtuellen Popstars – Hatsune Miku ihr Name – hat der 35-jährige Japaner Akihiko Kondo im November 2018 geheiratet. Seine Braut ist dabei ein kleines Hologramm unter einer Art Käseglocke. Die Zeremonie war ganz traditionell: großer Saal, ganz in Weiß, 39 Gäste und gemeinsames Anschneiden der Torte.

Im Grunde ist Akihikos Hologramm unter der Käseglocke nichts anderes als ein Smart Speaker für daheim, so wie z.B. Amazon Echo und Alexa. Laut Amazon haben allein 2017 über eine Million Menschen eben jene Alexa gebeten, sie zu heiraten.

6.) Erika Eiffel und der Eiffelturm

Die US-Amerikanerin Erika Eiffel ist die Gründerin eines internationalen Netzwerkes für Objektophile. Sie wurde berühmt, als sie 2007 niemand Geringeren als den Eiffelturm höchstpersönlich ehelichte. Die Eheschließung wurde zwar offiziell nicht anerkannt, dennoch durfte sie seinen Namen annehmen.

Zwei Jahre später zog sie nach Berlin, weil sie sich zur Berliner Mauer hingezogen füllte. Dort ließ sich die ehemalige Sportbogenschützin, die ihre früheren Erfolge mit der engen Beziehung zu ihrem Bogen begründete, zur Kranführerin umschulen. Als solche war sie 2013 am Richtfest des Humboldtforums beteiligt.

Über ihren aktuellen Beziehungsstatus mit dem Eiffelturm ist nichts bekannt.

pixabay/Free-Photos

7.) Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer und die Berliner Mauer

Ja, die Berliner Mauer ist ein Womanizer. Nicht nur die Amerikanerin Erika Eiffel fühlte sich von ihr angezogen, sondern auch die Schwedin Eija-Riita Eklöf. Im Alter von 25 Jahren heiratete sie am 17. Juni 1979 die Berliner Mauer und nahm auch ihren Namen an: Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer.

Laut Eija-Riitta sei die Berliner Mauer „die beste und attraktivste Mauer, die jemals existiert hat“. Für die Hochzeit engagierte sie sogar einen sogenannten Animisten, der mit leblosen Gegenständen kommunizieren kann, um durch ihn das Jawort der Berliner Mauer zu übermitteln.

Seit dem Fall der Berliner Mauer betrachtet sich Frau Eklöf-Berliner-Mauer als Witwe. Sie verstarb 2015 in Schweden, wohin sie direkt nach der Hochzeit zurückkehrte. Sie erfand überhaupt erst den Begriff objektophil.

pixabay/Photoholiday

All die hier aufgeführten Beispiele sind vor dem Gesetz selbstverständlich keine legalen Eheschließungen. Doch den Personen war die emotionale Bindung zu dem von ihnen innig geliebten Objekt derart ernst, dass sie zumindest die Eheschließung als symbolischen Akt zelebrieren wollten.

Hinsichtlich alternativer Beziehungsformen berichtet ein weiterer Artikel über Aromantik, wenn platonische Freundschaften gewünscht sind, Liebe aber nicht.

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