Mit Krebskranken sprechen: 10 Sätze, die man vermeiden sollte.

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Mit der Diagnose „Krebs“ wird das durchgetaktete Räderwerk des Alltags schlagartig durchbrochen. Der Patient ist einer Extremsituation ausgesetzt, die für Außenstehende kaum nachzuvollziehen ist. Nicht selten führt das zu Verunsicherungen im Umfeld des Patienten. Angehörige und Freunde fragen sich: Wie soll ich reagieren? Was kann ich dem Betroffenen sagen?

Gleich vorweg: Oft ist es besser, einfach für den Erkrankten da zu sein, als mit gutgemeinten Floskeln um sich zu werfen. Im Forum der Internetseite krebs-kompass.de haben sich krebserkrankte Menschen darüber ausgetauscht, welche typischen Sätze ihnen besonders aufstoßen. Die hier zusammengestellten Beispiele sollen Außenstehenden helfen, die Gefühlslage der Patienten ein wenig besser zu verstehen.

1.) „Du bist eine Kämpferin. Du schaffst das.“

Die Aufforderung, zu kämpfen, ist die reflexhafte Antwort vieler Angehöriger, wenn sie von der Diagnose Krebs erfahren. Sie wollen dem Erkrankten die Angst nehmen und dessen Kräfte für die Therapie mobilisieren. Gleichwohl sollte man mit solchen Durchhalteparolen vorsichtig sein – vor allem, wenn der Krebs bereits vorangeschritten ist. Optimistisch sein zu müssen, auch wenn der Befund offensichtlich dagegen spricht, kann einen extremen Druck aufbauen. Ist man aber ein Versager, weil man gegen den Krebs nicht mehr ankommt? Ist es Schwäche, wenn man nur noch trauern und Abschied nehmen will?

„Ich habe Krebs, aber ich bin auch nur ein Mensch“, beklagt sich ein Forumsmitglied. Angehörige und Freunde sollten auf die betroffene Person eingehen und deren Stimmung erfassen. Ein Satz wie: „Was immer auch jetzt vor dir steht, ich bin für dich da“, ist in den meisten Situationen angebrachter.

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2.) „Lass das mal. Ich mach' das schon für dich.“

Krebs belastet den ganzen Körper. Die Patienten sind daher auf Unterstützung angewiesen. Achte allerdings darauf, nie über den Kopf des Kranken hinweg zu entscheiden. Viele Menschen mit Krebs fühlen sich in ihrem Selbstwertgefühl verletzt: Die Oma, die früher den ganzen Haushalt allein geschmissen hat, braucht jetzt Hilfe; der stets für seine starken Arme bewunderte Vater kann nicht mehr allein aufs Klo. Nicht selten ringen Erkrankte mit dem Gefühl, nur noch eine Last zu sein.

Besser ist es, zu fragen, wie man helfen kann, und Dinge, die der Erkrankte noch gut allein bewerkstelligen kann, ihm selbst zu überlassen.

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3.) „Könnte ja noch viel schlimmer sein.“

Nur weil jemand keine Chemotherapie hatte oder noch beide Brüste besitzt, hat das nichts über die „Schwere“ seiner Krebserkrankung zu sagen. Augenschein-Diagnosen über die Befindlichkeit des Betroffenen bagatellisieren das persönlich empfundene Leid. Zumal neben der Vielzahl an körperlichen Begleiterscheinungen auch die psychische Belastung der Krankheit nicht zu unterschätzen ist: Angst um sich selbst oder die Sorge, wie es mit der Familie weitergeht.

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4.) „Ausgerechnet du, wo du doch immer so gesund gelebt hast.“

Das erstaunte Fragen nach dem Warum ist nicht nur sinnlos. Es suggeriert dem Patienten auch, in irgendeiner Weise an seiner Krankheit selbst schuld zu sein. Selbst wenn man es gar nicht so gemeint hat.

In den allermeisten Fällen spielt ein ganzer Komplex an Einflussfaktoren für die Erkrankung eine Rolle. Ist der Krebs erst einmal da, nützt eine Ursachenforschung nur wenig. Der Blick sollte sich jetzt auf die Gegenwart und die nähere Zukunft richten.

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5.) „Du darfst dich nicht so hängen lassen. Bleib positiv!“

Worte wie „Das wird schon wieder“ oder „Sieh das Positive“ empfinden krebskranke Menschen mitunter als Angriff. „Wer das nicht mitgemacht hat, versteht nicht, dass man nicht NUR und IMMER positiv sein kann, wenn einem immer wieder die Grenzen im täglichen Leben bewusstgemacht werden“, schreibt ein Betroffener. Eine optimistische Einstellung kann zwar durchaus einen Effekt auf das subjektive Wohlbefinden des Patienten haben. Aufgedrängtes 'positives Denken' kann jedoch auch zur Belastung werden: Der Patient fühlt sich gezwungen, negative Gefühle zu unterdrücken oder zu verbergen.

Sei für den Erkrankten da – auch und erst recht, wenn es ihm schlecht geht. Gib ihm Zuspruch, wenn er sich selbst aufrichten will; reich ihm deine Schulter, wenn er sich ausweinen muss. Selbstmitleid ist für Krebspatienten absolut in Ordnung.

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6.) „Meinem Nachbarn ging es damals viel schlechter.“

Vergleiche mit Bekannten, die ebenfalls Krebs hatten, kommen ebenso oft unverlangt wie ungelegen. „Bin ich etwa unbewusst in einen Wettkampf geraten 'Wer hat das größere Leid'?“, fragt eine Frau in einem Forumsbeitrag.

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7.) „Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll …“

Im Gespräch mit krebskranken Menschen muss sich nicht immer alles nur um das eine Thema drehen. Wenn der Betroffene nicht selbst das Gespräch darüber sucht oder du nicht weißt, was du sagen sollst, dann sprecht doch über etwas anderes: das kaputte Auto, die Schulprobleme des Jüngsten, den Stress im Beruf. Das Leben besteht schließlich nicht nur aus Krankheit und die Erkrankten nehmen immer noch Anteil an den alltäglichen Sorgen ihrer Freunde.

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8.) „Bei meiner Tante hat ja Mistelkraut geholfen.“

Jeder Krebs ist anders. Das macht diese Krankheit so tückisch und einen Überblick über die Behandlungsmethoden so schwierig. Für Patienten bedeutet eine Krebsdiagnose nicht selten, sich innerhalb kürzester Zeit Informationen über ein riesiges Fachgebiet aneignen zu müssen. In dieser Situation stiften Berichte über vermeintliche Leidensgenossen und alternative Therapiemethoden oft mehr Verwirrung als Klarheit.

Hast du das Gefühl, dass der Erkrankte mehr Informationen wünscht, frage ihn, wie du ihn bei der Suche unterstützen kannst.

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9.) „Die Strahlen machen doch deine Knochen kaputt.“

Wer um sein Leben bangt, trifft keine leichtfertigen Entscheidungen. „Kluge“ Ratschläge und Zweifel von außen sind da wenig zielführend. Respektiere die Entscheidungen, die der Kranke für sich getroffen hat.

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10.) „Man sieht gar nicht mehr, dass du Krebs hattest.“

„Paranoid wie ich bin, höre ich aus dem Satz immer eine Art Vorwurf: Wieso bist du überhaupt krankgeschrieben? Dir geht’s doch bestens!“, gibt eine Besucherin des Forums zu. Der Krebs macht viele Betroffene überaus sensibel. Doch selbst wenn es gelungen ist, den Tumor zurückzudrängen, begleiten einen Großteil der Patienten weiterhin Unsicherheit und Angst. Das Rückfallrisiko ist in den ersten Monaten nach Therapieende am größten. Dazu kommen die extreme körperliche Belastung, etwaige Langzeitschäden und psychische Narben.

Freu dich mit dem Patienten über das Überstandene. Zeige aber auch Verständnis dafür, dass eine Rückkehr zur Normalität noch einige große Herausforderungen mit sich bringt.

Lise Dua / Résidence: Rodchenko School of Photography and Multimedia Art, Moscou, Russie

Im Forum von krebs-kompass.de geben viele Nutzer und Nutzerinnen zu, früher selbst solche Sätze zu Betroffenen gesagt zu haben. Eine Frau hat sich über ihr Krankenhausbett sogar ein Bullshit-Bingo mit typischen Floskeln aufgehängt – als humorvolle Warnung! Das Wichtigste ist wohl aber für die Angehörigen, mitfühlend und offen für die wirklichen Bedürfnisse des Patienten zu sein. „Wir stehen das gemeinsam durch“, macht so manchen Spruch überflüssig.

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