16 lästige Trends, die alles überfluteten und dann verschwanden.

„Irgendwann kommt alles wieder“, sagen Eltern gern zu ihren Kindern und die Kinder erwischen sich Jahre später dabei, dass sie dasselbe zu ihren Kindern sagen. Schlaghosen aus den 70ern erlebten 20 Jahre später ihre große Wiederauferstehung und die klobigen 90er-Buffalo-Botten hat man gerade ausgestorben erhofft, um sie heutzutage doch wieder an den Füßen modemutiger Trendanhänger zu sehen. Nebenbei erleben die Eurodance-Ikonen ihren zweiten Frühling und dürfen wieder durch die Stadthallen tingeln.

Es gibt aber auch Trends, die kamen und gingen so schnell, dass man kaum bis drei zählen konnte, und sind heute so gut wie vergessen. In vielen Fällen ist das auch gut so, wie sich sicher viele beim Betrachten der folgenden Liste denken werden. Achtung: Für zerschundene Nerven aufgrund von wiedererweckten Zombie-Ohrwürmern wird keine Haftung übernommen!

Kategorie 1: Taschengeld-Töter

1.) Tamagotchi

Der Klassiker unter den verpufften Mega-Trends ist natürlich das Tamagotchi: ein virtuelles Tier, das regelmäßig gefüttert und gesäubert werden musste. Ursprünglich sollten Kinder damit angeblich lernen, Verantwortung für ein Haustier zu übernehmen. Es gab dabei aber einen entscheidenden Unterschied: Tamagotchis konnte man mit einem gezielten Knopfdruck wiederbeleben, Kater Mohrle konnte aber allenfalls auf dem Friedhof der Kuscheltiere landen.

Die Schulen jedenfalls wurden im Sommer 1997 überflutet. Trotz des stolzen Preises von über 30 DM wollte jeder mindestens ein piepsendes Pixeltier haben. Manch einer hatte sogar drei oder mehr, um den Unterricht besonders effizient zu stören.

Nach kurzer Zeit war der Hype aber vorbei und die Eier wurden für 5 DM verramscht und, spätestens wenn die Batterie alle war, vergessen.

2.) Diddl-Maus

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Deutlich langlebiger und umso lästiger war die Diddl-Maus. Wie eine Heuschreckenplage war sie überall: als Plüschtier, Bettwäsche, Bleistift, Block, Tasse, Hausschuh. Über 10.000 Produkte soll es gegeben haben. Dem Nervnager mit den gigantischen Käsequanten konnte man nicht entkommen.

Aber irgendwann ging es bergab mit dem Millionengeschäft, die Menschen hatten genug. Im Jahr 2014 verkaufte die Firma „Depesche“ die Rechte an der in der Versenkung verschwundenen Springmaus wieder an ihren Schöpfer. Diddl war weg vom Fenster. Wer seine Sammlung noch nicht entsorgt hat, kann übrigens mit viel Glück heute noch ein paar tüchtige Mäuse verdienen, denn manche Diddl-Artikel sind begehrte Sammlerstücke. Manche Blöcke können bis zu 300 Euro einbringen.

3.) Jamba-Sparabo

Media Partisans

„Schicke ‚Abzocke2‘ an 33333 und lass’ dir vom bekloppten Frosch dein Taschengeld verbrennen!“ Das war zwar die Wahrheit, aber gesagt wurde es natürlich nicht. Selten konnte man so mies sparen wie mit dem Jamba-Sparabo. Für nur 4,99 € pro Woche (!) gab es polyphone Klingeltöne, Handylogos, Nacktscanner und getötete Nerven.

Um 2005 herum ein unfassbares Millionengeschäft, die Gehirnwäsche-Werbespots liefen bei MTV und VIVA in der Dauerschleife. Dazu kam die „Musik“ vom Crazy Frog, dem Küken Sweetie oder dem Hasen Schnuffel, um den Schülern endgültig den Verstand aus dem Kopf und das Geld aus der Tasche zu saugen. Die Erfinder stießen ihre umstrittene Firma zur richtigen Zeit ab und bekamen dafür fast 300 Millionen Dollar. Heutzutage dürfte das keinen Pfifferling mehr wert sein.

Kategorie 2: Schmerzhafte Sommerhits

4.) Dragostea Din Tei

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Wer kann sie vergessen, diese wundervolle Poesie: „Ma-ia-hii / Ma-ia-huu / Ma-ia-hoo / Ma-ia-haa“. Damit verseuchte nicht nur eine Band den Sommer des Jahres 2004, sondern gleich zwei! Das Gequäke von O-Zone wurde ergänzt durch die nicht minder nervenzerfetzende Coverversion von Haiducii. Worum es ging? Egal. Der Titel jedenfalls bedeutet so etwas wie „Liebe aus dem Lindenbaum“. Warum der Song überall pausenlos dröhnte und Millionen Menschen tatsächlich Geld dafür ausgegeben haben? Eines der großen Rätsel der Menschheit. Fakt ist: Ein Mal daran gedacht, bekommt man es nie wieder aus dem Ohr. Nie.

5.) Schnappi

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In Zeiten, in denen ernsthaft ein hochgepitchter bekloppter Frosch auf einem Moped die Hitparaden stürmt, ist ein Kinderlied wie „Schnappi, das kleine Krokodil“ beinahe schon eine akustische Wohltat mit Anspruch. Warum das aber sogar zum richtigen Wi-Wa-Welthit wurde, ist kaum mehr verständlich. Aber tatsächlich: Der reptiloide Zeichentrick-Popstar errang Platin in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Norwegen und Neuseeland! Sängerin Joy Gruttmann ruhte sich indes nicht auf ihrem Ruhm aus, sondern begann nach der Schule eine Tischlerlehre.

6. Dr Holzmichl

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Was war bloß los im Jahr 2004? Da haben es doch tatsächlich De Randfichten, ein paar so genannte volkstümliche Musikanten aus dem Erzgebirge, geschafft, den erfolgreichsten Hit des Jahres zu landen. Und damit Dragostea Din Tei auf Platz 2 (in der Version von O-Zone) und 3 (Haiducii) verwiesen. Der Songtitel von Platz 5 der Jahreshitparade beschreibt den Irrsinn wohl am besten, das war nämlich „Mad World“.

Warum die Frage nach dem Verbleib eines alten Bergzausels („ja lebt denn der alte Holzmichl noch?“) die Leute zu massenhaften Plattenkäufen animierte? Vielleicht wollten sie wissen, ob er Haiducii überlebt hat. Die Plattenbosse konnten sich jedenfalls die Banknoten in die Ohren stopfen und grinsend die Hände reiben.

Kategorie 3: Kuriose Kulinarik

7.) Bubble Tea

Bubble Tea

Im Jahr 2012 schossen Bubble-Tea-Shops in sämtlichen Innenstädten wie Pilze aus dem Boden. Die Kiddies standen sich in der Warteschlange die Beine in den Bauch, die Erwachsenen schüttelten ratlos die Köpfe und die Verkäufer scheffelten das Taschengeld. So ganz klar war das Konzept von außen nicht, aber wer es mal probiert hat, bekam letztendlich einen Becher, voll mit überteuertem, knallsüßem Getränk (angeblich Tee) und einem Haufen glibberiger Murmeln, die sich beim Draufbeißen wie vollgesogene, zerplatzende Zecken, frisch vom Hundepelz, anfühlten.

Da diese taiwanesische Kuriosität schon bald unter dem Verdacht stand, gesundheitsgefährdend zu sein, verschwanden die Geschäfte, so schnell sie gekommen waren. Die meisten hielten gerade einmal eine Saison durch und sind heutzutage fast komplett aus dem Stadtbild verschwunden. Nur die Schäden an Kinderzähnen bleiben bis heute.

8.) Crystal Pepsi

Wikipedia/Smuckola/CC BY-SA 4.0

Im Jahr 1992 brachte Pepsi die farblose Cola auf den Markt. Mit gewaltigem Budget wurde sie beworben, war eine Zeit lang allgegenwärtig – und keine zwei Jahre später schon wieder aus den Regalen verschwunden. Das Konzept floppte – niemand wollte Cola, die nach Wasser aussah. Schuld daran hatte übrigens auch der Konkurrent Coca Cola, denn diese Firma betrieb gezielt Maßnahmen, damit die kristallklare Pepsi den Bach runterging.

Interessante Fußnote: Die farblose Cola war eigentlich eine Idee des obersten Feldherrn der Sowjetunion, Georgi Schukow. Der wollte kurz nach dem Zweiten Weltkrieg unbedingt Coca-Cola trinken und ließ sich von der Firma seine eigene Variante herstellen, die wie Wodka aussah. Denn natürlich durfte niemand bemerken, dass er das Sinnbild des amerikanischen Kapitalismus liebte.

9.) Blizz

Der angeblich „erste Drink zum Löffeln“ kam 1994 auf den Markt und wurde mit diesem unbeschreiblichen Spot beworben:

Was die Macher damit bezweckten, lässt sich nur erahnen. Haben sie selbst so viel Blizz gelöffelt, dass sie im Hirnfrost-Rausch waren? Wollten sie uns glauben machen, Blizz wirke wie eine Partydroge? Und überhaupt, was ist das für ein absurdes Mischwesen aus Brockenhexe, The-Dome-Backgroundtänzer und Filzpantoffel? So oder so, Blizz passte in die grellbunten 90er wie kein anderes Eis. Kurz vor der Jahrtausendwende wurde es dann auch passenderweise vom Markt genommen.

Es ist schon kurios, welche Dinge zum Trend werden, verstehen muss man sie nicht immer. Aber eins ist gewiss: Der nächste Crazy Frog oder Holzmichl kommt bestimmt. Zieht euch warrrm an!

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