Gründe für und gegen ein eigenes Kinderzimmer

Während Kindheitsforscher und Blogger-Mütter seit einigen Jahren eine Lanze für das Familienbett brechen und dafür, dass die Kinder selbst bestimmen, wann sie ein eigenes Bett bzw. ein eigenes Zimmer brauchen, kann die Großelterngeneration nicht verstehen, wieso man freiwillig auf ein Kinderzimmer verzichten sollte. Dabei gibt es sowohl für das Kinderzimmer als auch dagegen triftige Argumente, wie du an den folgenden 5 Punkten sehen kannst.

Spoiled Rotten on Christmas

1.) Kleine Kinder sind nicht gern allein.

Auch wenn sich viele Eltern sehr früh Gedanken über ein Kinderzimmer für ihren Nachwuchs machen und pflichtbewusst einen separaten Raum mit Babymöbeln einrichten, ist dies eigentlich unnötig, denn Babys brauchen sowohl tagsüber als auch nachts viel Nähe.

Am Tag reicht den Kleinen anfangs ein Tragetuch, ein Stubenwagen oder eine Decke im Wohnzimmer. Für die Nacht ist ein Familienbett, ein Beistellbett oder ein Babybett im Elternschlafzimmer eine gute Lösung. Wenn die Kinder größer werden, sind meist Alltagsgegenstände wie die Töpfe in der Küche zum Spielen viel interessanter als Spielzeug in einem Zimmer nur für sie.

Sleeping together

2.) Ein geteiltes Zimmer fördert die soziale Kompetenz.

Sobald ältere Geschwister im Spiel sind, dann lautet die Frage meist: „Braucht jedes Kind ein eigenes Zimmer?“ Wenn sich die Frage nicht durch finanzielle Zwänge von allein beantwortet, weil man schlicht kein Geld für ein zusätzliches Zimmer hat, gibt es noch ein weiteres gutes Argument gegen ein eigenes Zimmer: Geschwisterkinder sind wie Sparringspartner für soziale Kompetenz, will heißen, die Kinder lernen zu teilen und aufeinander Rücksicht zu nehmen.

Bully

3.) Kinder brauchen einen Rückzugsort.

Nach dem ersten Lebensjahr stellt sich die Frage nach einem eigenen Kinderzimmer mit einer neuen Dringlichkeit. Viele Kinder kommen nun in den Kindergarten und haben dadurch ein eigenes Leben, zu dem die Eltern nur noch teilweise Zutritt haben. Da scheint es naheliegend, dass auch zu Hause eine stärkere Trennung zwischen Kinder- und Erwachsenen-Welt stattfindet.

Allerdings sollte man abwägen: Manchen Kindern tut es gut, sich nach einem Kita-Tag voller Trubel in ihr eigenes Zimmer zurückzuziehen, andere brauchen auch nachts noch die Nähe und Sicherheit, die ihnen das Beisammensein mit den Eltern gibt.

Reading

4.) Kinder möchten Privatsphäre.

Mit dem Schulbeginn brauchen Kinder einen ruhigen Arbeitsplatz und genug Raum, um mit ihren Schulfreunden ungestört spielen zu können. In der ersten Zeit kann man das sicher noch abfedern, wenn man ein großes Wohnzimmer hat. Nach und nach brauchen Kinder aber eine elternfreie Zone, die nur ihnen und maximal noch ihren Geschwistern gehört.

Here's the only time I really smiled!

5.) Eltern sehnen sich wieder nach Zweisamkeit.

Die Entscheidung, wann das Kind ein eigenes Zimmer bekommt, hängt natürlich nicht nur von den Bedürfnissen des Kindes ab, sondern auch davon, wie viel Privatsphäre man als Eltern braucht. Eltern-Sein ist ein Vollzeit-Job und für viele Eltern ist es zum Beispiel nach dem ersten intensiven Lebensjahr eine große Entlastung, das Kind in ein eigenes Zimmer auszuquartieren – und sei es nur, um im Bett spätabends noch lesen oder Serien anschauen zu können.

Togetherness

Man muss aus der Entscheidung für oder gegen ein Kinderzimmer zum Glück keine Wissenschaft machen. Nur weil Kindheitsforscher davon ausgehen, dass das Familienbett die „natürlicheren“ Schlafumstände bietet und gut für die Eltern-Kind-Bindung ist, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass die Kinder, die frühzeitig ein eigenes Zimmer haben, einen Schaden bekommen.

Hinzu kommt: Auch wenn man sich in eine Richtung entschieden hat, muss das keine Entscheidung für immer sein. Manche Eltern stellen nach dem „Umzug“ ihres Kindes in ein eigenes Zimmer fest, dass es noch zu früh war und sie doch lieber einen unruhigen kleinen Schläfer neben sich haben, als mehrmals pro Nacht durch die Wohnung wandern zu müssen. Es sollte sich also stets um eine individuelle Entscheidung handeln.

Kommentare

Auch interessant