7 Gründe, warum es auch schön war, ein Ost-Kind zu sein

Die Kindheit ist für viele Menschen die prägendste Phase ihres Lebens. Man erlebt und erlernt so viele Dinge in so kurzer Zeit wie wohl nie wieder. Kindheitserinnerungen sind deshalb ein wichtiges geistiges Gut, sofern sie positiver Natur sind.

Für Menschen, die in der ehemaligen DDR geboren wurden, haben diese Erinnerungen einen noch größeren Stellenwert, denn die Welt, in der sie Kind waren, existiert so nicht mehr, genauso wie viele der alltäglichen Gegenstände von damals. Dabei gab es, trotz Mangelwirtschaft und Einschränkungen, im Osten wirklich tolle Dinge und vieles aus dieser Liste wird viele Menschen augenblicklich in die Vergangenheit zurückversetzen.

1.) VERO Construc + Stabilbaukasten

VERO

Dank VERO Construc konnten schon kleine Kinder ab 4 Jahren bauen wie die Großen. Mit dem System aus Holzleisten und Plastikschrauben ließ sich fast alles verwirklichen, wenn man nicht gerade wieder eine der gelben Schraubenmuttern zu wenig hatte. Es gab sogar Kästen mit Elektromotoren und Lichtelementen.

Noch vielseitiger waren die Stabilbaukästen aus Metall für etwas größere Konstrukteure.

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Die Kästen mit formschönen Namen wie „Plasticon“ oder „Construction“ hatten das gleiche Grundprinzip wie VERO, allerdings war die Ausführung deutlich filigraner und kleinteiliger. Solche Metallbaukästen gab es natürlich nicht nur in der DDR. Dort waren sie aber besonders populär und die Construction-Kästen werden heute immer noch in Thüringen produziert.

2.) Spielzeugautos

Es gab eine Vielzahl an Spielzeugautos, die heute – auch wegen ihrer guten Qualität – hohen Sammlerstatus genießen.

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Neben Modellen der Fahrzeuge aus dem DDR-Alltag wurde es bisweilen auch exotisch, etwa mit ferngelenkten Sportwagen oder Mondfahrzeugen. Im Bild zu sehen sind ein LKW aus dem Baukasten „Biggi variant“, ein Barkas und ein Škoda von „Anker“, ein Jeep vom „VEB Mechanische Spielwaren Brandenburg“ und der überaus stabile Pick-up „Luchs“, made in Parchim. Vor allem der Jeep existierte in einer Fülle verschiedener Ausführungen und war ein regelrechter Exportschlager.

Hervorzuheben ist auch dieser LKW, den wohl alle Steppkes geliebt haben dürften.

Dumper

Mit dem Nachbau des IFA W50, dem Ost-LKW schlechthin, ließ es sich hervorragend den Hang hinunterfahren, sogar zu zweit auf einem Auto. Auch wenn er nicht so aussieht – der Kunststoff-W50 hat jede Schussfahrt überlebt.

3.) Brummkreisel

Brummkreisel

Erinnert sich noch jemand? Im Fernseher ist eine Schrifttafel mit der Programmvorschau zu sehen und Mutti zückt den Bleistift, um alles abzuschreiben. Die Kinder sitzen wie auf glühenden Kohlen, weil im ersten Programm gleich „Brummkreisel“ mit Achim und Kunibert kommt.

Der junge Mann mit der Latzhose und sein schwer definierbarer, koboldartiger Schnauzbart-Kumpel waren, neben Pittiplatsch & Co., die Helden der Kleinen. Aufgezogen war das Ganze recht minimalistisch: eine kohlrabenschwarze Kulisse, Achim in knallroter Latzhose, Kunibert in einer Puppentheaterwohnung und ein Ohrensessel. Mehr brauchte man nicht, um Kinder glücklich zu machen. Auf YouTube kann man sich manche der Folgen ansehen.

4.) Die Spuk-Serien

Spuk

Ihren Zauber nicht verloren haben die drei „Spuk“-Reihen, die von C. U. Wiesner und Günther Meyer in den 1970er und 1980er Jahren konzipiert wurden. Bei „Spuk unterm Riesenrad“ wurden Geisterbahnfiguren lebendig, bei „Spuk im Hochhaus“ mussten die Gespenster August und Jette Deibelschmidt 7 gute Taten vollbringen und bei „Spuk von draußen“ halfen ein paar Kinder im Erzgebirge dem Roboter Opa Rodenwald gegen eine Bande von Außerirdischen, die drei Obskuraner. Diese Sendungen machen auch deshalb sogar Erwachsenen noch heute Spaß, weil sie nicht nur mit riesiger Detail- und Spielfreude produziert wurden, sondern auch gespickt waren mit Gesellschaftskritik, die im Kinderfernsehen leichter durch die strenge Zensur flutschen konnte.

5.) Der Traumzauberbaum

Die Geschichte vom uralten Baum, aus dessen Blättern Träume entstehen, gehört sicherlich zum Schönsten, das die Kinderunterhaltung zu bieten hat. Völlig zu Recht wird der 1980 von Reinhard Lakomy und Monika Erhardt erdachte Reigen aus Geschichtenliedern bis heute von den Kindern geliebt. Die hochwertigen und zeitlosen Lieder vom traurigen Luxus-Eierbecher oder dem diätbefördernden Pfannkuchen gehen auch Erwachsenen nicht aus dem Kopf. Schwer vorstellbar, dass die Mitwirkenden bei Lakomys erstem Kinderliederprojekt anonym bleiben wollten, weil ihnen das Konzept zu neuartig und eigenartig war.

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6.) Weihnachten in Familie

Der Baum wird geschmückt. Auf dem Plattenspieler knistert es. Dann läuten Kirchenglocken und die illustre Familie von Schlager-Chef Frank Schöbel besingt die Weihnachtszeit, mal besinnlich, mal verschmitzt. Diese Platte gehörte (und gehört) zum Standardprogramm beim Fest der Liebe. Neben Weihnachtsklassikern gibt es auch ein paar „moderne“ Lieder der Schöbels. Wenn der Hausherr über seinen kümmerlichen Weihnachtsbaum sinniert oder die Kinder mit hoher Stimme ihrer lieben kleinen Mama fürs „Stullen-Schmiern“ danken, ist das allemal geschmackvoller und unterhaltsamer als „Last Christmas“.

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7.) SERO

SERO war ein wirkliches Win-win-Konzept des Arbeiter- und Bauernstaates. Alle Bürger, vor allem die Kinder, waren dazu aufgerufen, Sekundärrohstoffe (daher der Name SERO) zu sammeln und abzuliefern. An zahlreichen Sammelstellen bekam man Geld für Papier, Glas, Plaste und Schrott. Auf diese Art wurden wertvolle Rohstoffe recycelt. Das half dem Staat, der Importrohstoffe sparte, und es nutzte den Kindern, die ihr Taschengeld gut aufbessern konnten. Außerdem lag so kaum Müll auf den Straßen.

Wikipedia/Stefan Kühn/CC0

Nach der Wiedervereinigung sollte das System bundesweit ausgerollt werden, doch das scheiterte leider an vielen Faktoren. Die Kinder jedenfalls liebten SERO, denn dadurch konnten sie sich manchen Wunsch erfüllen und die gemeinsame Jagd nach Rohstoffen, z.B. durch Sammlungen von Tür zu Tür, machte Spaß.

Wikipedia/Bundesarchiv/Frank Gehrmann/CC-BY-SA 3.0

Tipp: Einen lebendigen Einblick in die Lebenswelt der DDR bietet die „Open Memory Box“. In diesem Online-Archiv kann man sich hunderte Stunden privater Filmaufnahmen aus dieser Zeit ansehen. Wer keine Lust auf Film hat, sollte unbedingt unseren Artikel über Schüler in der DDR lesen. Warum man aber mit der Nostalgie auch kritisch umgehen sollte, zeigt dieser Artikel.

Das waren nur einige von vielen Dingen, die die Kindheit auch in der DDR lebenswert machten. Manche sind verschwunden, manche haben bis heute überlebt. Fällt dir noch etwas ein, das unbedingt zur Ost-Kindheit gehört? Lass es uns wissen!

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